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10. Die Zeit von 1989-1999

(Auszug aus der Festrede zum Festakt "135 Jahre Sozialdemokratie - 10 Jahre Neugründung des Ortsvereins in Naumburg (Saale)" am 11.12.1999 - Redner Thomas Postleb)

Im Herbst 1989 ist im Osten Deutschlands eine Bewegung in Gang gekommen, die unaufhaltsam in einer radikalen Veränderung des gesellschaftlichen Systems endete. Damals haben viele Menschen in der damaligen DDR allen Mut zusammengenommen, um ihren Unmut mit der Politik der DDR-Führung zu artikulieren. Für viele war klar, notwendige Veränderungen können nur mit neuen Kräften erreicht werden. Die erste neue politische Kraft war die Sozialdemokratische Partei in der DDR (SDP). Am 07.10.1989 in Schwante gegründet, zeigte sie als Vorreiterin politische Alternativen auf, mit denen Reformen verwirklicht werden sollten.

Die großen Demonstrationen im Oktober und November 1989 waren der Beweis, dass sich die Bevölkerung nach Reformen sehnte. Viele sozialdemokratisch orientierte Menschen reihten sich in die Demonstrationszüge ein. So wie in vielen Orten, wurde auch in Naumburg demonstriert.

Im November 1989 fand in der Wenzelskirche ein Fürbittgottesdienst statt. Im Verlaufe des Gottesdienstes wurden die Anwesenden ermuntert, sich dem beginnenden Reformprozess anzuschließen. Gleichzeitig wurde appelliert, dem Ganzen einen friedlichen Verlauf zu geben. So stellten sich in der Folge Vertreter aus allen Reformbewegungen vor. Herr Hoeck versuchte ein Bild einer sozialdemokratischen Partei zu zeichnen. Es erfolgte der Aufruf, sich diesen Bewegungen anzuschließen.

Viele Menschen fanden am Ende des Gottesdienstes den Weg zu Herrn Hoeck, um sich in Listen einzutragen, die als Grundlage für weitere Kontaktanbahnungen dienen sollten. Damit war der Versuch gelungen, sozialdemokratisch Denkende in Naumburg zu sammeln und als vereinte Kraft agieren zu lassen. Tage später fand eine Versammlung in der Wenzelskirche mit dem Ziel statt, sehr schnell die Voraussetzungen für die Gründung einer SDP in Naumburg zu schaffen. Ab diesem Zeitpunkt war der ins Rollen gekommene Zug nicht mehr aufzuhalten. Die erste Zusammenkunft in der Sakristei der Wenzelskirche fand inmitten der Baumaßnahmen statt.

Provisorisch wurde ein Versammlungsraum errichtet. Ohne Probleme fanden sich für jeden Anwesenden Aufgaben, die in den darauf folgenden Tagen zu erledigen waren. Nach einer weiteren Zusammenkunft wurde am 13.12.89 die SDP in Naumburg gegründet. Zum ersten Sprecher wurde Ulrich Stockmann gewählt. Alle Anwesenden erhielten das Vertrauen für die jeweiligen Funktionen.

Damit war die organisatorische Grundlage geschaffen, um aktiv im Veränderungsprozess eingreifen zu können. Was uns wirklich erwartete, haben wir kaum abschätzen können. Vielmehr haben wir uns mit ganzer Kraft und Euphorie in die anstehenden Aufgaben gestürzt und die SPD in Naumburg zu einer gestaltenden Kraft gemacht. Unsere Mitglieder haben sich intensiv in den verschiedensten Gremien engagiert und die Ideen und Gedanken der Sozialdemokratie, derer wir uns zunehmend bewußter wurden, eingebracht. In der Folge wurde der Parteiaufbau betrieben. Gleichzeitig waren aber die verschiedensten Reformaktivitäten durch uns zu begleiten. Täglich gab es neue Termine, Gesichtspunkte und Enthüllungen. Im rasenden Tempo verliefen die Ereignisse.

Im Januar 1990 begann der Ortsverein mit regelmäßigen Versammlungen. Thematische Abende dienten der politischen Schulung auch unter Einbeziehung der Öffentlichkeit. Meilensteine der damaligen Zeit waren die "Eroberung der Reichskrone" und die Gründung des Kreisverbandes. Die notwendigen Räumlichkeiten für unsere Parteiarbeit fanden wir in der Reichskrone. Die Gründung des Kreisverbandes war notwendig, um im damaligen Landkreis alle Sozialdemokraten unter einem organisatorischen Dach zu vereinen.

Gleichzeitig mit allen anderen Aktivitäten begann der Wahlkampf für die Wahlen zur Volkskammer im März 1990. Parallel dazu wurden die im weiteren Verlaufe des Jahres anstehenden Wahlkämpfe vorbereitet. Mit den Ergebnissen der Wahlen des Jahres 1990 wurde uns deutlich, wie hart der politische Alltag sein kann. Unsere Erwartungen und unser Engament wurden durch den Wählerwillen nicht honoriert. Wir mussten zeitig erkennen, wie steinig der Weg zur Macht und damit zur umfassenden Gestaltungsmöglichkeit für uns ist.

Doch wir haben uns nicht vergraben, sondern in den letzten Jahren an uns und vor allem für die Durchsetzung sozialdemokratischer Politik gearbeitet. So sind Mitglieder unseres Ortsvereines als Mandatsträger in Parlamenten und Vertretungskörperschaften, sowie als Funktionäre unserer Partei tätig. Unser Verein ist politische Heimat des Europaabgeordneten Ulrich Stockmann. Seit mehreren Jahren sitzt Lutz Kühn für den Wahlkreis Nebra als Abgeordneter im Landtag. Christiane Doll hat in der Zeit von 1994-1998 ein Mandat für den Wahlkreis Naumburg wahrgenommen. Krimhild Fischer ist seit 1999 im Landtag mit Sitz und Stimme vertreten.

Aus unserem Ortsverein kommt der Landrat des Burgenlandkreises Martin Groß. Aus den Reihen unseres Vereins kommen seit 1990 Mandatsträger im Kreistag und im Gemeinderat. Im Gemeinderat haben für uns auch parteilose Damen und Herren Sitz und Stimme. Dabei hat sich ein Stamm herausgebildet, der bereits mehrere Wahlperioden aktiv ist. Alle Mandatsträger leisten hervorragende Arbeit, die auch bei Wahlen zunehmend stärker honoriert wird. Aus dieser Sicht heraus, können wir mit Stolz auf die letzten zehn Jahre zurück schauen. Damit setzen wir die Tradition, die vor 135 Jahren gegründet wurde, weiter fort.

Mitglieder unseres Vereins sind Funktionsträger in übergeordneten Parteigremien. Wir stellen mit Ulrich Stockmann, den Kreisvorsitzenden. Er ist auch Mitglied des Landesvorstandes. Darüber hinaus sitzen aus unserem Ortsverein mehrere Mitglieder seit vielen Jahren im Kreisvorstand, im Landesparteirat und vertreten die Jusos des Burgenlandkreises. Namentlich erwähnen möchte ich Gabriele Neidel. Sie ist engagierte Organisatorin der AG-60plus in der Burgenlandkreis-SPD. Mit ihrer Tätigkeit leistet sie einen hervorragenden Beitrag in der politischen Arbeit.

Mit Stolz können wir auf das Erreichte zurückschauen. Wir sind eine feste Größe im politischen Alltag geworden. Und doch werden wir auch in den nächsten Jahren viel Kraft und Zeit investieren müssen, wenn wir weiter vorankommen wollen. Wir wissen alle, dass dies ein schwerer Weg sein wird. In Naumburg fanden Sozialdemokraten zu keiner Zeit einen Nährboden vor, der eine reiche Ernte ohne viel Mühe bescherte. Wie wir zu Erfolgen kommen können, hat das letzte Jahr gezeigt. Das Ergebnis im Kommunalwahlkampf im Frühjahr 1999 hat bewiesen, dass wir zu Steigerungen fähig sind. Wenn auch noch nicht alles rund lief, konnten wir mit unseren gemeinsamen Aktionen Stimmenzuwächse erreichen. Gerade in einer Zeit in der eine schlechte Stimmungslage gegenüber unserer Partei herrschte, haben wir einigen Boden gutmachen können. Auch innerparteilich konnten wir unseren Einfluss, insbesondere im Kreisverband stärker geltend machen."


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