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4. Die Zeit unter dem Sozialistengesetz

Am 11. Mai 1878 wurden in Berlin Unter den Linden in der Nähe von Kaiser Wilhelm Schüsse abgefeuert. Festgenommen wurde der "Sozialdemokrat" Hödel, der in Zeitz für die Partei Abonnenten geworben und Zeitungen ausgetragen hatte, zwei Tage vor dem Attentat aber wegen krimineller Handlungen aus der Partei ausgeschlossen worden war. Hödel bestritt das Attentat stets und behauptete, einen Selbstmordversuch unternommen zu haben, für den er eine spektakuläre Kulisse wollte.Die Konservativen versuchten dieses "Attentat" als Vorwand für ein Verbot der Sozialdemokratie zu nutzen, doch gelang das diesmal noch nicht.

Erst das wirkliche Attentat des Dr. Nobiling vom 2. Juni 1878, dem ebenfalls sozialdemokratische Kontakte unterstellt aber nie bewiesen wurden, brachte einen Stimmungsumschwung. Eine beispiellose Hetzkampagne gegen die Sozialdemokratie begann, die schließlich in dem unsäglichen "Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie" (Sozialistengesetz) vom 21. Oktober 1878 mündeten und die politische Tätigkeit unserer Mitglieder nur noch im Untergrund ermöglichte. Alle sozialdemokratischen Vereine wurden aufgelöst und deren die Presse verboten.Durch Gründung von Gesangs-, Spar-, Radfahr- und Arbeiterbildungsvereinen versuchte man das Sozialistengesetz zu umgehen und Zusammenkünfte der Genossen zu ermöglichen.

Dies gelang nicht immer, wurden doch alle Versammlungen polizeilich überwacht. Noch heute aber belegen die vielfach auch in Naumburg erhaltenen Polizeiberichte eine rege sozialdemokratische Tätigkeit und den Einfallsreichtum ihrer Anhänger. Es ist von echter Ironie, daß dieses Gesetz genau das Gegenteil von dem erreichte, was es eigentlich bewirken sollte: Die Mitgliederzahlen und Wahlergebnisse der Sozialdemokraten wuchsen in dieser Zeit ständig an. So erhielt unser Wahlkreiskandidat Hoffmann bei den letzten Reichstagswahlen unter dem Sozialistengesetz im Februar 1890 im ersten Wahlgang 10.563 Stimmen, der zweitplatzierte Konservative Günther nur 116 Stimmen mehr.


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Zeitz-Weißenfels-Naumburg
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